Double Extortion ist das heutige Standardmodell der Ransomware-Kriminalität: Vor der Verschlüsselung stehlen die Täter große Datenmengen. Erpresst wird dann doppelt — Lösegeld für die Entschlüsselung und zusätzlich für den Verzicht auf die Veröffentlichung der gestohlenen Daten.
Die Konsequenz ist unbequem: Ein sauberes Backup neutralisiert nur die erste Erpressung. Gegen die Veröffentlichungsdrohung hilft keine Wiederherstellung — nur die Verhinderung des Datenabflusses selbst.
Wie die doppelte Erpressung abläuft
Nach dem Einbruch folgt zuerst stilles Sammeln: Die Täter bewegen sich durchs Netz, identifizieren wertvolle Datenbestände — Verträge, Personaldaten, Finanzen, Kundendaten — und exfiltrieren sie über Wochen. Erst danach zündet die Verschlüsselung als lauter Schlusspunkt. Auf Leak-Portalen wird anschließend mit Countdown veröffentlicht, teils ergänzt um Druck auf Kunden und Partner (Triple Extortion) oder DDoS-Angriffe obendrauf.
Verteidigung heißt deshalb: die stille Phase sichtbar machen und begrenzen. Segmentierung bremst die Ausbreitung, Egress-Kontrolle und Anomalie-Erkennung schlagen beim Abfluss an, DLP markiert sensible Bestände — und die Meldeprozesse (DSGVO, NIS-2) müssen vorbereitet sein, denn ein Datenabfluss ist meldepflichtig, Lösegeld hin oder her.
Was gegen Double Extortion zählt
- Ausbreitung begrenzen: Mikrosegmentierung und Least Privilege verkleinern die Beute.
- Abfluss erkennen: ungewöhnliche Datenbewegungen und Ziele alarmieren, bevor Terabytes weg sind.
- Kronjuwelen kennen: Wer nicht weiß, wo sensible Daten liegen, merkt ihren Diebstahl zuletzt.
- Meldefähigkeit üben: Fristen und Kommunikationswege stehen, bevor es ernst wird.