Edge Computing verlagert Rechenleistung an den Rand des Netzes — dorthin, wo Daten entstehen und Entscheidungen wirken: in die Fabrik, die Filiale, den Funkmast, den Punkt of Presence des Providers. Statt alles zur zentralen Cloud zu schicken, wird lokal vorverarbeitet, gefiltert und reagiert.
Die Treiber sind physikalisch und ökonomisch: Lichtgeschwindigkeit setzt Latenzgrenzen, Bandbreite kostet, und manche Daten dürfen den Standort nicht verlassen. Edge ist kein Ersatz der Cloud, sondern ihre Verlängerung — die Orchestrierung bleibt zentral, die Ausführung wandert nach außen.
Die Spielarten des Edge
On-Premises-Edge steht beim Unternehmen selbst: Industrie-PCs und lokale Cluster in Produktion und Filiale, die Maschinendaten in Millisekunden auswerten — Qualitätsprüfung per Kamera, Anomalieerkennung, lokale Puffer bei WAN-Ausfall. Network Edge liegt beim Anbieter: Rechenkapazität in den Points of Presence globaler Netze, die Anwendungen und Sicherheitsfunktionen wenige Millisekunden neben die Nutzer legt.
Dazwischen liegen Telco-Edge (MEC in Mobilfunknetzen, relevant mit 5G-Campusnetzen) und regionale Micro-Rechenzentren. Gemeinsames Muster: Latenzkritisches und Datenintensives läuft außen, Training, Langzeitanalyse und Verwaltung innen — verbunden über ein WAN, das diese Architektur tragen muss.
Typische Einsatzfälle
- Industrie: Predictive Maintenance und Bildverarbeitung an der Linie, entkoppelt vom WAN.
- Handel: Filialsysteme, die auch bei Leitungsausfall kassieren und lokal entscheiden.
- Sicherheit am Netzwerkrand: WAF, Bot- und DDoS-Abwehr im PoP, bevor Traffic die Origin erreicht.
- KI-Inferenz am Edge: Modelle antworten nutzernah, ohne Rohdaten zentral zu sammeln.