Glossar · einfach erklärt

Air Gap

Ein Air Gap ist die bewusste Trennung eines Systems oder Netzwerks von allen anderen Netzen — im Wortsinn eine Luftlücke: keine Kabelverbindung, kein WLAN, kein Routing. Was nicht erreichbar ist, kann nicht aus der Ferne angegriffen werden. Klassische Einsatzfelder sind Offline-Backups, hochkritische OT-Anlagen und besonders schutzwürdige Umgebungen.

In der Praxis dominieren heute logische Air Gaps: Trennung durch strikte Segmentierung, unidirektionale Übergänge oder zeitweise Verbindungen, die nur für definierte Vorgänge geöffnet werden. Sie tauschen absolute Isolation gegen Betreibbarkeit — und sind nur so stark wie ihre Durchsetzung.

Physisch vs. logisch getrennt

Das physische Air Gap ist kompromisslos: Tape im Safe, Offline-Systeme, getrennte Verkabelung. Es schützt maximal, macht aber jeden Datenaustausch zum manuellen Vorgang — und genau dort entsteht die reale Schwachstelle: USB-Medien und Wartungszugänge haben schon hochisolierte Anlagen kompromittiert. Ein Air Gap braucht deshalb strikte Medien- und Wartungsprozesse.

Das logische Air Gap trennt per Architektur: eigene Zugangsdaten und Administrationsdomäne, keine Vertrauensstellungen, Verbindung nur initiiert von innen und nur für definierte Zeitfenster — etwa wenn das Backup-Repository Daten abholt und sich danach wieder abkoppelt. Kombiniert mit Unveränderbarkeit (Immutable Storage) entsteht so eine Backup-Kopie, die ein Angreifer im Netz weder findet noch ändert.

Wo Air Gaps eingesetzt werden

  • Backup: die letzte Kopie offline oder logisch abgekoppelt — Kern moderner 3-2-1-1-0-Strategien.
  • OT/Produktion: hochkritische Steuerungsnetze ohne Direktverbindung zur IT — Übergänge nur kontrolliert.
  • Hochsicherheitsbereiche: Entwicklung sensibler Güter, Behörden, Forensik-Arbeitsplätze.
  • Schlüsselverwaltung: Offline-CAs und Hardware-Sicherheitsmodule außerhalb jeder Netzreichweite.

Häufige Fragen zu Air Gap

Ist ein Air Gap wirklich unüberwindbar?

Nein — prominente Fälle zeigen: Wechselmedien, Wartungs-Notebooks und Lieferkettenmanipulation überbrücken Luftlücken. Ein Air Gap verlagert das Risiko auf die verbliebenen Übergänge; ohne strikte Medienkontrolle, geprüfte Wartungsgeräte und Monitoring bleibt es Theorie.

Was ist der Unterschied zwischen Air Gap und Immutable Backup?

Das Air Gap macht die Kopie unerreichbar, Immutability macht sie unveränderbar: Ersteres trennt den Weg, Letzteres sperrt die Operation am Ziel. Gegen Ransomware ergänzen sie sich — die robusteste letzte Linie ist eine Kopie, die getrennt und unveränderbar ist.

Wie funktioniert ein logisches Air Gap beim Backup konkret?

Das Backup-Ziel lebt in einer eigenen Sicherheitsdomäne: eigene Credentials ohne AD-Anbindung, MFA, keine eingehenden Verbindungen aus der Produktion. Die Verbindung wird nur vom Backup-System selbst für den Kopiervorgang aufgebaut und danach getrennt — außerhalb dieser Fenster ist das Ziel im Netz schlicht nicht ansprechbar.

Sind OT-Netze heute noch per Air Gap geschützt?

Immer seltener vollständig: Fernwartung, Datenanalyse und IIoT verlangen Anbindung. Der realistische Stand ist das kontrollierte Übergangsmodell — Zonen und Conduits nach IEC 62443, Datendioden für Einbahn-Datenflüsse, Fernzugriff nur über Broker mit Aufzeichnung. Das echte Air Gap bleibt den kritischsten Zellen vorbehalten.

Ersetzt Segmentierung ein Air Gap?

Für die meisten Schutzbedarfe ja: Mikrosegmentierung mit Default-Deny erreicht sehr hohe Isolation bei voller Betreibbarkeit. Das Air Gap ist die Eskalationsstufe darüber — für die letzte Backup-Kopie und Systeme, deren Kompromittierung existenzbedrohend wäre. Sinnvoll ist die Staffelung: segmentieren in der Breite, Air Gap für das Kronjuwel.

Offene Fragen dazu in Ihrer Umgebung? KAEMI berät Sie anforderungsorientiert und übernimmt auf Wunsch auch das laufende Management.