Der Weg eines Datenpakets durch das Internet ist eine Kette von Übergaben zwischen eigenständigen Netzen. Wo und wie diese Übergaben stattfinden, entscheidet über Laufzeit und Kosten einer Verbindung. Interconnection bezeichnet die bewusste Gestaltung genau dieser Übergabepunkte. Statt sämtlichen Verkehr über gekauften Transit laufen zu lassen, tauschen Netzbetreiber Daten direkt untereinander aus. Für Unternehmen wird das Thema greifbar, sobald Cloud-Nutzung, Echtzeitkommunikation oder internationale Standorte höhere Ansprüche an die Netzqualität stellen. Dann zählt, welche direkten Wege der eigene Provider anbieten kann und wie viel Kontrolle er über den Pfad der Daten tatsächlich hat.
Was ist Peering und Interconnection?
Interconnection ist der Oberbegriff für die physische und logische Verknüpfung eigenständiger Netze. Peering ist die bekannteste Form: Zwei Netze tauschen den Verkehr ihrer eigenen Kunden direkt miteinander aus, häufig ohne gegenseitige Vergütung. Beide Seiten profitieren, weil der Umweg über einen bezahlten Dritten entfällt.
Beim Public Peering treffen sich viele Netze an einem Internet Exchange, einer neutralen Austauschplattform. Über einen einzelnen Anschluss lassen sich dort BGP-Sessions mit vielen Teilnehmern gleichzeitig aufbauen. Der DE-CIX in Frankfurt gehört zu den größten dieser Knoten weltweit. Beim Private Interconnect, auch Private Network Interconnect oder kurz PNI genannt, verbinden sich genau zwei Netze über eine dedizierte Leitung, typischerweise einen Glasfaser-Crossconnect im selben Rechenzentrum. Das Gegenmodell heißt Transit: Ein Provider verkauft die Erreichbarkeit des gesamten Internets als Dienstleistung. Im Alltag überschneiden sich die Begriffe, wer von Peering spricht, meint oft das gesamte Feld der direkten Netzverknüpfung.
Wie funktioniert Peering?
- BGP als Grundlage: Über eine BGP-Session kündigen sich beide Netze gegenseitig die IP-Präfixe ihrer Kunden an. Der Verkehr fließt anschließend auf direktem Weg zwischen den beiden Netzen.
- Route Server am Exchange: Wer an einem Internet Exchange mit vielen Teilnehmern gleichzeitig peeren will, nutzt Route Server. Sie verteilen Announcements zentral und ersparen den Aufbau vieler einzelner Sessions.
- Peering-Policy: Jedes Netz legt fest, mit wem es Verkehr direkt austauscht. Kriterien sind etwa das Verkehrsvolumen zwischen beiden Netzen, die geografische Präsenz oder der strategische Nutzen.
- Private Interconnects für große Ströme: Ab einem gewissen Volumen lohnt die exklusive Direktverbindung. Sie bietet garantierte Kapazität, klare Verantwortlichkeiten und hält den Verkehr von geteilten Plattformen fern.
- Cloud-Anbindung über Interconnection-Plattformen: Auch der Weg in Public Clouds lässt sich als privater Interconnect gestalten, etwa über Plattformen wie Megaport. Der Verkehr zur Cloud verlässt dann das offene Internet.
Warum Peering wichtig ist
- Direkte Wege verkürzen die Kette der beteiligten Netze, das senkt Latenz und reduziert Paketverluste.
- Der Datenpfad wird nachvollziehbar: Wer direkt übergibt, weiß, wo sein Verkehr fließt und an welchem Punkt er den eigenen Einflussbereich verlässt.
- Die Abhängigkeit von einzelnen Transit-Providern sinkt, ebenso die Anfälligkeit für deren Störungen oder Preisänderungen.
- Kosten werden planbarer, weil ein fester Anschluss an einen Exchange wiederkehrende Transitgebühren für große Verkehrsmengen ersetzt.
- Mehr direkte Übergabepunkte bedeuten mehr alternative Pfade und damit höhere Ausfallsicherheit im Ernstfall.
- Für Echtzeitanwendungen wie Sprache und Video zählt jede Millisekunde, direkte Übergaben zahlen unmittelbar darauf ein.
Typische Szenarien
- Ein Unternehmen mit eigener SaaS-Plattform peert an einem Internet Exchange, damit Endkunden über kurze Wege und mit stabilen Antwortzeiten auf den Dienst zugreifen.
- Ein Mittelständler verlagert Workloads in die Public Cloud und ersetzt den Weg über das offene Internet durch einen privaten Interconnect mit fester Kapazität.
- Ein international tätiges Unternehmen benötigt stabile Verbindungen nach Asien und führt seinen Verkehr über kontrollierte Übergabepunkte in geeignete Partnernetze.
- Ein Netzbetreiber senkt seine Transitkosten, indem er die größten Verkehrsströme analysiert und mit den betreffenden Netzen direkte Peerings etabliert.
Peering vs. Transit
Transit ist die Pauschallösung: Ein Provider übernimmt gegen Bezahlung die Zustellung in das gesamte Internet, unabhängig vom Ziel. Peering ist die selektive Lösung: Es verbindet genau die Netze, zwischen denen relevanter Verkehr fließt. In der Praxis kombinieren Netzbetreiber beides. Peering übernimmt die großen, wiederkehrenden Ströme zu wichtigen Zielen, Transit deckt den Rest der Welt ab. Die Qualität eines Providers zeigt sich darin, wie durchdacht diese Mischung ist und wie nah seine Übergabepunkte an den Zielen seiner Kunden liegen.
Wie KAEMI unterstützt
KAEMI betreibt ein eigenes autonomes System und unterhält direkte Übergabepunkte zu relevanten Netzen, unter anderem in Zusammenarbeit mit dem DE-CIX. Kundenverkehr in Richtung Public Cloud führen wir bevorzugt über private Pfade mit planbarer Kapazität, wie sie unsere Leistung Cloud Connectivity & SDN beschreibt. Für Verbindungen nach und aus China kombinieren wir lizenzierte Partnernetze mit kontrollierten Übergabepunkten, damit Standorte und Anwendungen dort zuverlässig erreichbar bleiben, Details dazu unter China Connectivity . So wird Interconnection vom abstrakten Providerthema zu einem konkreten Hebel für die Qualität Ihrer Verbindungen.