Die Videokonferenz stockt, das Telefonat klingt abgehackt: Hinter solchen Störungen steckt selten zu wenig Bandbreite. Meist sind Latenz und Jitter verantwortlich, also die Laufzeit der Datenpakete und deren Schwankung. Beide Größen entscheiden darüber, ob sich Anwendungen flüssig anfühlen und ob Echtzeitkommunikation zuverlässig funktioniert. Wer Standorte und Cloud-Plattformen über große Entfernungen verbindet, sollte sie deshalb genauso ernst nehmen wie den Durchsatz einer Leitung.
Was sind Latenz und Jitter?
Latenz ist die Zeit, die ein Datenpaket vom Sender zum Empfänger benötigt. Gemessen wird sie in Millisekunden (ms), in der Praxis meist als Round Trip Time (RTT): die Dauer für Hinweg und Rückweg zusammen, wie sie ein einfacher Ping anzeigt. Interaktive Anwendungen führen für jede Aktion viele solcher Round Trips aus, etwa für Verbindungsaufbau und Datenbankabfragen. Kleine Unterschiede in der RTT summieren sich dadurch zu deutlich spürbaren Wartezeiten.
Jitter bezeichnet die Schwankung der Latenz. Treffen Pakete mal nach 20 ms und mal nach 80 ms ein, liegt der Jitter bei bis zu 60 ms. Eine konstante Verzögerung können Anwendungen mit Puffern ausgleichen, eine stark schwankende dagegen kaum. Eng verwandt ist der Paketverlust: Gehen Pakete unterwegs verloren, müssen sie erneut übertragen werden oder fehlen im Medienstrom. Beides verschärft die wahrgenommene Verzögerung zusätzlich.
Wie sie entstehen
Mehrere Faktoren bestimmen, wie lange Pakete unterwegs sind und wie stark ihre Laufzeit schwankt:
- Physische Distanz: Licht legt in Glasfaser rund 200 Kilometer pro Millisekunde zurück. Zwischen Europa und Ostasien entsteht allein durch die Entfernung eine RTT von deutlich über 100 ms, die sich mit keiner Technik wegoptimieren lässt.
- Anzahl der Hops: Jeder Router auf dem Pfad nimmt Pakete an, verarbeitet sie und leitet sie weiter. Je mehr Zwischenstationen, desto höher die Gesamtverzögerung und desto größer die Wahrscheinlichkeit von Schwankungen.
- Queuing und Überlast: Bei hoher Auslastung entstehen Warteschlangen in Routern und Switches. Pakete warten unterschiedlich lange auf ihre Weiterleitung, genau daraus entsteht Jitter, in Lastspitzen zusätzlich Paketverlust.
- Umwege im Routing: Das öffentliche Internet wählt Pfade nach kommerziellen Vereinbarungen der beteiligten Netzbetreiber. Die kürzeste Strecke ist dabei selten garantiert, Verkehr nach Asien läuft mitunter über mehrere Kontinente.
- Letzte Meile und Zugangstechnik: WLAN, Mobilfunk und ausgelastete Anschlüsse im Homeoffice verursachen variable Verzögerungen, die in keiner Backbone-Statistik auftauchen.
- Verarbeitung unterwegs: Firewalls und VPN-Gateways addieren Rechenzeit für Verschlüsselung und Inspektion. Bei knapper Dimensionierung wird daraus ein eigener Engpass.
Warum sie wichtig sind
- Sprachqualität leidet deutlich, wenn die Verzögerung pro Richtung über etwa 150 ms steigt. Gesprächspartner fallen sich dann ungewollt ins Wort.
- Videokonferenzen reagieren empfindlich auf Jitter, weil Bild und Ton aus dem Takt geraten und größere Puffer die Verzögerung weiter erhöhen.
- Cloud-Anwendungen mit vielen kleinen Anfragen, etwa virtuelle Desktops oder Datenbankzugriffe, skalieren ihre gefühlte Geschwindigkeit direkt mit der RTT.
- Der Durchsatz von TCP-Verbindungen sinkt bei hoher Latenz und Paketverlust selbst dann, wenn reichlich Bandbreite gebucht ist.
- Echtzeitdaten aus Produktion und Logistik verlieren an Wert, wenn sie verspätet oder in falscher Reihenfolge eintreffen.
- Verlässliche Zusagen für Sprach- und Videoqualität setzen stabile Netzwerte voraus, die sich im öffentlichen Internet kaum garantieren lassen.
Typische Szenarien
- Eine Niederlassung in Shanghai greift auf zentrale Systeme in Frankfurt zu. Die Verbindung läuft über wechselnde Internetpfade, Videokonferenzen brechen regelmäßig ein und Dateizugriffe dauern spürbar lange.
- Ein Unternehmen verlagert sein ERP in die Cloud. Die Leitung ist kaum ausgelastet, trotzdem wirken Masken und Berichte träge, weil jede Aktion Dutzende Round Trips benötigt.
- Im Contact Center häufen sich Beschwerden über abgehackte Gespräche zu Stoßzeiten, wenn Backups und Updates dieselbe Leitung füllen und Warteschlangen entstehen.
- Nach der Umstellung auf Softphones funktioniert Telefonie im Büro einwandfrei, im Homeoffice dagegen schwankend, weil WLAN und Consumer-Anschlüsse Jitter erzeugen.
Latenz vs. Bandbreite: der Unterschied
Bandbreite beschreibt, wie viele Daten pro Sekunde durch eine Verbindung passen. Latenz beschreibt, wie schnell ein einzelnes Paket ankommt. Ein anschauliches Bild: Eine breitere Autobahn transportiert mehr Fahrzeuge gleichzeitig, macht ein einzelnes Auto aber um keinen Meter schneller. Für Backups und große Downloads zählt deshalb vor allem die Bandbreite, für interaktive Anwendungen zählen RTT und Jitter. Ein Bandbreiten-Upgrade verpufft, wenn die Verzögerung das eigentliche Problem ist. Sinnvoll ist, beide Größen getrennt zu messen und Zielwerte pro Anwendung zu definieren.
Latenzoptimierung bei KAEMI
KAEMI behandelt Latenz und Jitter als messbare Qualitätsziele statt als Zufallsprodukt der Leitung. Über Cloud Connectivity & SDN binden wir Ihre Standorte durch private Interconnects und direkte Peerings an Cloud-Plattformen an, damit Verkehr kurze und kontrollierte Pfade nimmt. QoS-Konzepte priorisieren Echtzeitverkehr wie Sprache und Video auf der gesamten Strecke, kontinuierliches Monitoring macht die Netzwerte sichtbar. Für Verbindungen nach Asien reduziert China Connectivity Umwege und Paketverlust auf regulatorisch sauberem Weg. Sprechen Sie mit uns, bevor Sie die nächste Bandbreitenerweiterung beauftragen: Oft liegt der größere Hebel im Pfad.